Im Gespräch mit:

 
 
 
 
Christoph A. Puszkar

Leiter Marketing National/PR der 5th Avenue Products Trading-GmbH, dem alleinigen Importeur für Habanaos in Deutschland.


 
 

CN: Aktuell haben wir in der Presse einen Fall von Cigarrenschmuggel via Schweiz nach Deutschland, mit einem geschätzten Steuerausfall von 150.000€. In wieweit belastet das den Fachhandel bzw. den Importeur?

Ich weiß nicht, wie dieser Steuerausfall errechnet wurde. Ich vermute aber, dass es dabei um die entgangene Mehrwert- und Tabaksteuer geht. Man kommt also auf einen Warenwert von rund 750.000 Euro in nur zwei Jahren. Offenbar ging dieses Treiben aber schon länger. Für uns als Importeur und natürlich auch für den Fachhandel ist das eine beachtliche Summe.  Wenn man sich die Entwicklung im Fachhandel so anschaut, stellt man fest, dass die Anzahl der Geschäfte zusehends abnimmt. Bei vielen Geschäften geht es heute wirklich um jeden Euro. Man sollte sich deshalb auch als Cigarrenliebhaber gut überlegen, ob man nicht vielleicht seine Händler in der Region durch den Kauf in den Geschäften unterstützt. Sonst gibt es irgendwann keine Cigar Nights oder andere Veranstaltungen mehr.

CN: Der Verkauf der Schmuggelcigarren wurde über zahlreiche Cigarrenforen im Internet betrieben. Mehrere Foren haben ihre Seiten geschlossen, die Seitenbetreiber haben mit ernsthaften Konsequenzen und möglicherweise Schadensersatz zu rechnen. In wieweit sind solche Foren nützlich oder sind sie eher Spielerei bzw. – wenn man sich die Inhalte anschaut –teilweise pubertärer Schwachsinn?

Grundsätzlich ist es toll, dass man sich über seine Liebhaberei im Internet austauschen kann. Und es gibt jede Menge toller Seiten zum Thema Cigarre im Web, die von Leuten mit viel Engagement und Zeitaufwand betrieben werden. Besonders in Zeiten weitgehender Werbeverbote für Tabakwaren ist das heute ganz besonders wichtig. Wie sonst könnte man die Aficionados aktuell über Neuerscheinungen, Veranstaltungen oder ähnliches informieren. Wenn solche Seiten aber missbraucht werden, um Cigarren aus dubioser Quelle zu vertreiben, ist das aber nicht gut. Ich verstehe, dass es für die Betreiber oder Administratoren solcher Seiten schwierig ist, alles zu überwachen und zu kontrollieren. Das kann und sollte auch nicht der Sinn der Sache sein. Wer aber illegales Treiben duldet oder gar fördert, der sollte dafür auch zur Verantwortung gezogen werden.

CN: Was ist zur Zeit deine Lieblingscigarre?

Gute Frage. Das hängt aber immer von der Situation, der Tageszeit etc. ab. Die „EINE“ Lieblingscigarre kann es meiner Meinung nach gar nicht geben. Natürlich ist eine Cohiba Behike ein absolutes Highlight, genau deshalb sollte man sich so was aber auch nur zu bestimmten Gelegenheiten gönnen. Es gibt für mich wenige Cigarren, die ich fast immer rauchen kann. Dazu zählen im Moment die Upmann Magnum 46 und 50, die Partagás Serie D No. 4 und P No.2 und die Cohiba Siglo VI.

CN: Erfreuliche Geschäftszahlen in 2010, das bevorstehende Festival del Habano und die Neuerscheinungen aus dem Hause Partagas im Anflug, wird 2011 ein gutes Jahr?

Ja, über ein Plus von 3% in Menge und 7% in Wert darf man sich als Anbieter von Tabakprodukten schon mal freuen. Das politische Umfeld macht das Geschäft ja bekanntlich nicht leichter. Auch für 2011 sind wir optimistisch. Die neuen Produkte, die wir in der kommenden Woche in Havanna erstmals probieren können, spielen dabei natürlich eine große Rolle. Mit den neuen Partagás-Formaten wird eine sehr traditionsreiche Habanos-Marke gestärkt, die vor allem die erfahrenen Aficionados anspricht.

CN: Ganz konkret gefragt, um was für ein Format handelt es sich bei der Serie „E“ und um welches bei der „No.5“?

Die Partagás Serie E No.2 hat das Format Duke (140 mm, Ringmaß 54) und das der Serie D No.5 heißt ebenfalls D No.5 (110 mm, Ringmaß 50). „Kurz und dick“ heißt nach wie vor der maßgebliche Trend bei Premium-Longfiller-Cigarren.

Arnold André, Davidoff, Dannemann & Co machen es vor: Marken-Loungen entstehen allerorten. Was plant die 5th Avenue?

Es gibt bereits einige Habanos Smokers Lounges in Deutschland. Über eine größere Zahl dieser Genuss-Oasen für Cigarrenliebhaber würden wir uns freuen, aber das Motto darf trotzdem nicht „Masse statt Klasse“ sein. Lounges machen nur dort wirklich Sinn, wo der Gastronom auch tatsächlich dahinter steht. Nur wenn er selbst ein echtes Interesse an diesem Thema hat und Cigarrenkultur auch gelebt wird, kann sich da langfristig etwas entwickeln. Für uns ist dabei auch die Mitwirkung der Fachhändler, besonders der La Casas del Habano und der Habanos Specialists wichtig. Die Händler sind unsere Partner vor Ort und dürfen den Kontakt zum Lounge-Betreiber nicht abreißen lassen. Sonst passiert dann in der Regel genau das, was keiner will: ungeschultes Personal verärgert den Aficionado mit schlecht gelagerten Cigarren.

CN: Wie sieht es bei den Casa’s aus? Gibt es in 2011 Neuzugänge oder anders gefragt, wie viel CDH verträgt Deutschland?

Für das Jahr 2011 ist die Eröffnung einer zweiten La Casa del Habano für Düsseldorf angekündigt. Insgesamt kommen wir damit auf acht dieser Geschäfte in Deutschland.  Ich denke, dass es nicht mehr als 10 Casas in Deutschland geben sollte. Vielleicht noch eine Casa in München und eine Casa in Frankfurt, das wär’s dann aber auch.

CN: Die Absage des Habanosday 2011 ging lt. Presseerklärung auf Budgetkürzungen durch Habanos S.A. zurück. Was ist der genaue Hintergrund und warum betraf es genau diesen Event?

Der einzige Grund für diese Entscheidung war tatsächlich die für uns sehr überraschende und kurzfristige Mitteilung über Kürzungen im Marketingbudget. Wir hatten nur die Wahl, an der Unterstützung für den Fachhandel zu sparen oder schweren Herzens auf den Habanos Day zu verzichten. Da wir auch in 2011 unsere Absatz- und Umsatzziele erreichen wollen, hatten wir keine andere Wahl. Traurig ist das trotzdem, weil wir bei der geplanten 3. Auflage dieser Veranstaltung endlich auch auf eine gewisse Unterstützung aus dem Fachhandel hoffen konnten.

 

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