Den Klassiker Neu entdecken

Dieser Test hat mir sehr schnell die Grenzen aufgezeigt, einen bestimmten Wein zu einer bestimmten Cigarre zu empfehlen. Aber es war hochinteressant, über einige Wochen 10 Exemplare der in meinen Augen großartigen und charaktervollen Montecristo Nr. 2 mit genau doppelt so vielen Weinen zu verkosten (und zu genießen). Dabei habe ich mich ausschließlich mit trockenen Weinen beschäftigt und gespritete Weine, wie Sherry oder Portwein, außen vor gelassen.

Was waren die No-Go’s? Zunächst Weißwein: Die bekannte Kölner Gastronomin, Sommelière und Buchautorin Christina Fischer sprach bei Verkostungen – bezogen auf die Vorlieben der Teilnehmer – des Öfteren von der „Riesling-“ und der „Burgunder-Fraktion“; also habe ich diese Weißwein-„Archetypen“ in Form eines fruchtigen, säurebetonten Rieslings (Deutschland) und eines kräftigen, barrique-ausgebauten Chardonnays (Chile) zur Montecristo Nr. 2 probiert. Beim Riesling zeigte sich von Anfang an, dass sich die Säure/Frucht mit der würzigen Kraft der Montecristo beißt; in der Kombination empfand ich unangenehme, z. T. harte, metallische Geschmacksnoten. Aber auch der durch das Holz würzigere, weniger säureintensive Chardonnay wurde mit der Zeit von der Montecristo „an die Wand gespielt“; er wirkte als Begleiter der Cigarre immer fader und verlor seinen „barocken Charme“ völlig. 

Für mich ist die Montecristo Nr. 2 eine noble, kräftig-würzige Cigarre mit einer fein eingebundenen, sich entwickelnden dezenten Schärfe, die nie unangenehm wirkt. Ihr Aromenspektrum beinhaltet erdig-würzige Noten, feine pfeffrige Töne, Holz, einen Hauch von Kaffee; im Abgang findet sich eine feine Frischenote. 

Und damit sind wir beim zweiten No-Go: Die Cigarre ist zu kräftig und komplex, als dass es ein allzu fruchtiger, eher breiter als tiefer Alltagswein mit ihr aufnehmen könnte. Aber ein Rotwein sollte es schon sein … 

Bewegen wir uns in den Bereich der charaktervolleren Weine, entsteht ein weiteres Dilemma: Hier sind oft schon Vorlieben ausgeprägt – so wird man beispielsweise einem Freund von feinen Burgundern aus der Pinot-Noir-Traube kaum einen Gefallen tun mit der Empfehlung eines körperreichen, fleischigen australischen Shiraz. 

Aus diesem Grund stelle ich Ihnen heute zur Montecristo Nr. 2 drei Weine vor, die gleichermaßen drei Typen gehaltvoller Rotweine darstellen. Von den 18 verkosteten Rotweinen aus verschiedenen Ländern konnten Sie in meinen Augen die Balance mit der Cigarre gut wahren und bildeten interessante Kombinationen mit ihr, während alle anderen mehr oder weniger zu dem Effekt führten, dass entweder die Aromen nicht zusammenpassten oder Wein bzw. Cigarre nicht mehr genügend zur Geltung kamen, also vom jeweiligen Partner dominiert wurden.

Die Empfehlungen

1. Anbaugebiet:

Frankreich, Burgund, Côte de Beaune 

Wein: Beaune, AC. Domaine de Terregelesses 
Rebsorte: Pinot Noir 
Jahrgang: 2003 

reife Aromen, reife rote Früchte, Backpflaume, Lakritz 
samtig-fein, feine Säure 
Eigenbewertung (EB) 8/11 Punkte

2. Anbaugebiet:

Frankreich, Bordeaux, Haut-Médoc 
Wein: Château Cissac, Cru Bourgeois, AC. Domaines Vialard 
Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot 
Jahrgang: 2006 

Barrique-Ausbau 
Cassis, Brombeer, Heidelbeer, Bitterschokolade, Lakritz 
präsente, gut integrierte Tannine, elegant, schlank 
18/20 Punkte Weinwisser, EB 8/11 Punkte 

3. Anbaugebiet:

Frankreich, Rhône 
Wein: Gigondas, AC. B. Stehelin 
Rebsorten: Grenache Noir, Syrah 
Jahrgang: 2007 

unfiltriert 
Waldbeeren, Himbeere, Blaubeere, Kräuter(likör), Wacholder, Eukalyptus, Schokolade 
komplex, intensiv, lang 
92/100 Punkte Robert Parker, EB 9/11 Punkte

Die drei Weine lagen beim Einkauf 2009 in einer Preisklasse um 20 Euro / Flasche à 0,75 l. 

Fazit: Auswahl und Beschreibung sind natürlich rein subjektiv und ohne Gewähr. Aber vielleicht helfen diese Angaben ja ein Bisschen zur Orientierung. Den Fans der Montecristo Nr. 2 wünsche ich viel Spaß beim Suchen weiterer interessanter Kombinationen. Vielleicht haben Sie ja auch schon tolle Genusskombinationen 
gefunden? 

Beste Grüße 
Christoph Landwehrs 



20 Jahre Weinerfahrung ...

haben dazu geführt, dass Christoph Landwehrs - nach einer erfolgreichen beruflichen Karriere - seinen Lebenstraum umgesetzt und sich mit seinem Interessengebiet selbstständig gemacht hat. Das aber nicht auf unvorbereitete Art und Weise:


Als Genussmittel entdeckte er den Wein in den 80er Jahren; zum Thema zu lernen (Fachzeitschriften, Bücher), begann er zu Beginn der 90er. Damals begann er auch mit der Anlage von Wein- und Wissensdatenbanken; mittlerweile sind viele tausend Weine aus aller Welt erfasst, beschrieben, bewertet. In den 90er Jahren hat er angefangen, regelmäßig Weinverkostungen, -seminare, -events zu besuchen, war viele Jahre Mitglied in Weinclubs und hat seitdem Reisen in diverse europäische Weinregionen unternommen. 

Um 2004 fingen die Dinge an, sich zu wiederholen, so dass er sich entschloss, eine offizielle Weinausbildung anzustreben. Dabei hat er sich für die international renommierte Ausbildung des „Wine and Spirits Education Trust“ (WSET) in London entschieden und neben seinem eigentlichen Beruf seit 2006 drei Stufen dieser Weinausbildung erfolgreich absolviert. Die dritte Ausbildungsstufe, das 2009 nach einem Intensiv-Vorbereitungskurs an der Weinakademie Berlin erworbene „Advanced Certificate“ berechtigt ihn, das Logo des WSET - als zertifizierter Weinfachmann - in seinen Unterlagen zu führen und ist gleichzeitig Zulassungsvoraussetzung für das Diplomstudium an der FH Geisenheim. (Das noch zu schaffen, wäre sein Traum) 

Sein Credo: "Ich liebe „guten Wein“ (ein sehr subjektiver Begriff) und schrecke auch nicht vor großen Namen zurück. Ich bin aber kein „Etikettentrinker“, sondern der festen Überzeugung, dass sich auch in „vernünftigen“ Preissegmenten (hängt immer vom Anlass ab) unzählige großartige, ja große Weine finden, und das diesseits von 50 Euro/Flasche. In meinen „Standard-Verkostungen“ spielen Weine von ca. 7 bis ca. 20 Euro die Hauptrolle. Last, but not least, ich glaube nicht, dass man in der Regel für unter 5 Euro „gute Weine“ kaufen kann." 

Und er liebt Cigarren und hat sich deshalb sehr gefreut, als Cigarnews, zu dessen Kölner Aficionados-Gruppe er gehört und in der er sich sehr wohl fühlt, ihm angeboten hat, auf Cigarnews zum Thema Wein & Cigarren zu schreiben.

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